Jeden Abend, wenn die Dämmerung kommt, spielt die ältere Mitbewohnerin einer Wohnanlage auf ihrer Hammond-Orgel dieses Lied. Durch die maximale Lautstärke und durch ihr offenes Fenster können alle, die ihren Kopf ins Freie stecken oder auf den Balkon treten, den Klängen lauschen. Manche stimmen ein – mit verhaltener Stimme:

„Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämm'rung Hülle,
So traulich und so hold,
Gleich einer stillen Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer, 
Verschlafen und vergessen sollt.“

(Strophe 2
von Matthias Claudius,
1779)

Ein leises Ostern haben wir gefeiert, wie eingehüllt. In nachdenklichen Tönen über die Verletzlichkeit nachgedacht – uns aber auch von der Hoffnung auf das Licht anstecken lassen. Bemerkt, was an diesem Osterfest uns schmerzlich fehlte - aber auch Oster-Rituale gewürdigt, die uns das Herz aufgehen lassen: Eier mit Bemalung, der Duft des Osterbrotes, die Kraft des Lebens aus einer simplen Tulpenzwiebel, die freien Vögel am Himmel.

Nach Ostern ist es nun, als wenn die Welt etwas weiter erwacht.
In dieser Hoffnung: Gottes Segen mit Ihnen allen!

Ihre Pastorin Almuth Jürgensen

Karikatur: Michael Hüter, Bochum

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