Bild geistliches Wort 70

»Du bist schuld!« Für einen Augenblick herrscht angespannte Stille. Die Seeleute vergessen sogar, was draußen wirklich los ist. Sie vergessen, dass ein Wirbelwind mit ihrem Schiff wie mit einer Nussschale spielt. Die Seenot ist wie weggeblassen. Bevor sich dann ihre Wut ihre Bahn bricht. So wie der Sturm unkontrolliert über das Schiff hereingebrochen ist, so muss jetzt alles raus. Vor allem die Todesangst der Seeleute. Die Angst, den Mächten des Windes und der Wellen völlig ausgeliefert zu sein und nichts in Händen zu halten, an dem sie sich festklammern könnten. Nicht einmal Gebete helfen.

Aber dann finden die Seeleute Jona, den Passagier, den Fremden. »Du bist schuld!« Und so bricht ein Sturm der Wut über Jona herein. Jona war auf ihr Schiff gekommen, weil er vor seiner Verantwortung geflohen ist. Er ist weggelaufen vor der großen Aufgabe, die er in sich spürte und die sich doch so fremd anfühlte. Eigentlich wollte er nicht der Spielverderber sein, der auf den Tisch haut und den Menschen in der großen Stadt endlich die Wahrheit sagt: »Ihr seht nur euren Vorteil! Ihr lebt auf Kosten der kommenden Generationen! Ihr seid einfach ungerecht!« Anstatt auszusprechen, was ihn bewegt, ist Jona abgehauen. Aber vor der Unruhe in sich selbst kann er nicht davonlaufen. Auf dem Schiff holt sie ihn ein.

Schließlich packen ihn die Seeleute und werfen ihn über Bord. Es ist, als ob damit ein Schalter umgelegt wurde: Der Wind ist verschwunden. So erzählt es die Bibel. Jona aber wird von einem Walfisch verschlungen. Drei Tage verbringt er im Bauch des Fisches. Drei lange und dunkle Tage. Zeit, die es braucht, um Klarheit zu bekommen und um eine Entscheidung zu treffen. Als ihn der Walfisch ausspuckt, ist Jona sich sicher: Es ist an der Zeit, die Wahrheit auszusprechen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche

Ihr Alexander Dietz

 

Zum Seitenanfang